Hyoho Niten Ichi Ryu

Die „Kriegsmethodik der einen Schule der zwei Himmel“ wurde im 17.Jahrhundert von Shinmen Musashi No Kami Fujiwara No Genshin, besser bekannt als Miyamoto Musashi, begründet. Musashi wurde als Shinmen Bennosuke 1584 auf Kyushu geboren und lernte schon früh von seinem Vater, dem Samurai Hirata Munisai, den Umgang mit Schwert und Jutte. Um sein Leben ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden, bezeugt ist allerdings, dass er bereits mit 13 Jahren seinen ersten Kampf gegen den Samurai Arima Kihei erfolgreich absolvierte und diesem bis zu seinem dreißigsten Lebensjahr noch etliche Kämpfe und 60 erfolgreiche Duelle folgen ließ.


Einen Wendepunkt in Musashis Leben stellte sein Kampf am 14. April 1612 gegen Sasaki Kojiro auf der Insel Ganryu dar (der Legende nach). Dieser endete für Kojiro tödlich und festigte damit Musashis Ruf eines Unbesiegbaren. Zwar trug er danach weiterhin Duelle aus, jedoch nicht mehr mit der Absicht zu gewinnen, sondern vielmehr seine Fähigkeiten im Schwertkampf zu demonstrieren.

Besondere Erwähnung in alten Berichten findet sein Kampfstil mit zwei Schwertern. In der Sengoku-Periode war es üblich, dass Samurai zwei Schwerter im Gürtel trugen – das Katana (Langschwert) und das Wakizashi (Kurzschwert). Musashi war nun der Ansicht, alle Waffen zu gebrauchen, die man besaß, statt sein Leben wegzuwerfen:

… sich der Wirksamkeit der beiden Schwerter bewusst zu werden? darum geht es in der Nito ryu… denn wahr ist, dass man alle Waffen, die man besitzt, gebrauchen sollte, statt sein Leben wegzuwerfen. Zu sterben, mit einer unbenutzten Waffe in seinem Gürtel, das wäre bedauerlich.“ (Miyamoto Musashi)


So brachte Musashi den zwar nicht unbekannten, aber trotzdem wenig geläufigen Umgang mit zwei Schwertern zur Perfektion. Zur Niten Ichi Ryu gehören allerdings mehr als nur die Zwei-Schwerter-Techniken. Auch der Umgang mit dem Langschwert und dem Kurzschwert sind wesentliche Bestandteile der Schule und bilden letztendlich die Grundlage für den Kampf mit zwei Schwertern.

Im Alter beschäftigte sich Musashi zunehmen mit anderen Künsten, der Kaligraphie, der Bildhauerei und der Dichtkunst. Am Ende seiner Laufbahn schrieb er mehrere Bücher, darunter das
Gorin No Sho. Dieses „Buch der fünf Ringe“ enthält seine Lehren über die Kriegskunst. Er widmete es seinem Schüler Terao Kyumanosuke Noboyuki, wohl als Legitimation, seine „Niten Ichi Ryu“ als neuer Lehrer weiterzuführen. Die Schule wurde, wie viele andere Koryu (alte Schulen) in Japan, vom Lehrer an einen ausgewählten Schüler übergeben.

Am 13.Juni 1645 starb Miyamoto Musashi in der Höhle Reigendo, in die er sich drei Jahre zuvor zu Studienzwecken und Meditation zurückgezogen hatte. Bis heute wird Musashi in Japan als Kensei, als Schwertheiliger, verehrt.